Papyrologie

Die Papyrologie ist eine altertumswissenschaftliche Teildisziplin. Ihre Hauptaufgaben bestehen in der Erschließung von neuen literarischen und dokumentarischen Texten in Griechischer und Lateinischer Sprache und ihrer philologischen und historischen Interpretation. Aus der Fokussierung auf griechische und lateinische Texte ergibt sich eine chronologische Begrenzung des Faches auf die griechisch-römisch-byzantinische Zeit Ägyptens, also von der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen 332–331 v.Chr. bis ca. 700 n.Chr., als das Griechische durch das Arabische als hauptsächliche Verwaltungs- und Verkehrssprache ersetzt wurde. Im Allgemeinen wird in der Papyrologie dieser Zeitraum als “Das griechische Jahrtausend” bezeichnet. Obwohl auch für diese Jahrhunderte zahlreiche Texte in anderen Sprachen – z.B. Hieratisch, Demotisch, Koptisch, Hebräisch, Aramäisch und Arabisch – auf Papyrus und anderen Beschreibstoffen erhalten sind, wird die Bearbeitung derselben in der Regel anderen Wissenschaftsdisziplinen (Ägyptologie, Arabistik usw.) zugeschrieben, wobei vor allem in den letzten Jahrzehnten zu beobachten ist, dass immer größerer Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung der Fachkollegen gelegt wird. Diese begrüßenswerte Tendenz zeigt sich insbesondere im online-Projekt Trismegistos, in dem versucht wird, moderne zeitliche, sprachliche und regionale Grenzziehungen zu überwinden und möglichst alle erhaltenen Texte für alle beteiligten Disziplinen zugänglich zu machen. Eine knappe aber instruktive Einführung in die Papyrologie als Teildisziplin der Altertumswissenschaften ist hier zu finden: Wikipedia

Literatur zu den Grundlagen der Papyrologie

  • U. Wilcken, Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde. Band 1: Historischer Teil, Leipzig 1912.
  • W. Schubart, Einführung in die Papyruskunde, Berlin 1918.
  • K. Preisendanz, Papyrusfunde und Papyrusforschung, Leipzig 1933.
  • E. G. Turner, Greek Papyri, an Introduction, Oxford 21980.
  • O. Montevecchi, La Papirologia, Milano 21988.
  • P. W. Pestman, The New Papyrological Primer, Leiden 21994.
  • H.-A. Rupprecht, Kleine Einführung in die Papyruskunde, Darmstadt 1994.
  • R. S. Bagnall, Reading Papyri, Writing Ancient History, London-New York 1995.
  • R. S. Bagnall (ed.), The Oxford Handbook of Papyrology, Oxford-New York 2009.

Wichtige Editionsreihen und -bände

Bereits publizierte Texte werden im Allgemeinen nicht nach der von der jeweiligen Sammlung vergebenen Inventarnummer zitiert, sondern nach dem Band und der Nummer des Editionsbandes. Für einzelne Editionsreihen sind standardisierte Siglen gebräuchlich, die in der Checklist nachgeschlagen werden können. Verstreut publizierte Stücke werden regelmäßig im Sammelbuch griechischer Urkunden aus Aegypten zusammengefasst und nach der hier vergebenen Nummer zitiert.

Für die Berliner Papyrussammlung sind insbesondere die folgenden Editionsreihen und -bände von Bedeutung:

  • BGU = Aegyptische Urkunden aus den Königlichen (später: Staatlichen) Museen zu Berlin, Griechische Urkunden, Berlin, Bd. I (1895) – Bd. XX (2014).
  • BKT = Berliner Klassikertexte, Berlin, Bd. I (1904) – Bd. X (2012).
  • P.Berl. = unter dieser Sigle werden seit dem 1842 erschienen Band P.Berl.Schmidt Editionsbände verschiedener Autoren publiziert.
  • SB = Sammelbuch griechischer Urkunden aus Aegypten, Bd. I (1913–1915) – Bd. XXIX (2016).
  • O.Wilck. = U. Wilcken, Griechische Ostraka aus Aegypten und Nubien, 2. Bde., Leipzig-Berlin 1899, Nachdruck Amsterdam 1970 mit Ergänzungen von P. J. Sijpesteijn.
  • P.Eleph. = O. Rubensohn, Aegyptische Urkunden aus den Königlichen Museen in Berlin: Griechische Urkunden, Sonderheft. Elephantine-Papyri, Berlin 1907.
  • UPZ = U. Wilcken, Urkunden der Ptolemäerzeit (ältere Funde), Bd. I: Papyri aus Unterägypten, Berlin-Leipzig 1927, Bd. II: Papyri aus Oberägypten, Berlin 1935–1957.