Briefliche Aufträge

BGU III 874 (P. 2748)

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Durch Briefe erfahren wir viel über die Menschen der damaligen Zeit und erhalten Einblicke in ihren Alltag. Viele Briefe sind jedoch insbesondere wegen ihres fehlenden Kontextes schwer verständlich und der Schriftverkehr nicht immer nachvollziehbar, was auch bei dem hier vorliegenden Fund der Fall ist.

Der Papyrus stammt wahrscheinlich aus dem Faijûm, einer Großoase südwestlich von Kairo. Diese Gegend wurde in der Antike Arsinoites genannt und bereits seit dem Mittleren Reich intensiv für Landwirtschaft genutzt. Erworben wurde der Papyrus für die Berliner Papyrussammlung in einem großen Ankauf in den Jahren 1877–1881, der genaue Fundort ist jedoch unbekannt.

Auf der Vorderseite des Papyrus, dem sogenannten Rekto, sind zwölf Zeilen eines griechischen Textes zu erkennen. Interessant ist, dass der Text nicht – wie sonst üblich – parallel, sondern quer zu den Fasern des Papyrus geschrieben wurde. Das liegt daran, dass der Papyrus vor der Beschriftung um 90° gedreht wurde, so dass die Fasern des Rekto nun senkrecht verlaufen. In der Fachsprache wird dies transversa charta genannt. Noch deutlicher wird die Drehung des Papyrus durch eine Blattklebung, die auf Höhe der letzten Zeile des Textes quer über den Schriftträger zu erkennen ist. Die Blattfaltungen und jeweiligen Risse lassen vermuten, dass der Papyrus von unten gerollt und am Ende plattgedrückt wurde. Aufgrund der byzantinischen Schrift, welche durch Kleinbuchstaben und große Über- und Unterlängen in den einzelnen Zeilen gekennzeichnet ist, lässt sich der Text in das 6. Jh. n. Chr. datieren.

Das Schreiben folgt offenbar einem vorangegangenen brieflichen Auftrag, auf den im ersten Satz Bezug genommen wird. Dabei soll der uns unbekannte Adressat nach Narmuthis im Südwesten des Arsinoites schicken, um zwei Goldstücke zu empfangen. Über die Ausführung dieses Auftrages soll dem ebenfalls unbekannten Absender des Schreibens eine Rückmeldung gegeben werden. Außerdem soll der Empfänger sich zu einem gewissen Phoibammon begeben, um Getreide zu erwerben. Zudem berichtet der Schreiber, dass er sich bei einem Elias über Ausgaben erkundigt hat, wobei allerdings unklar bleibt, wofür diese gedacht waren. Am Ende des Schreibens werden Grüße an die Familie und Angehörige gerichtet.

Trotz der nur wenigen und zudem lückenhaften Informationen, die dieses Schreiben enthält, lassen sich dennoch einige Schlussfolgerungen ziehen. Die Grüße an die Familie lassen dieses Schriftstück als einen Brief erscheinen. Jedoch fehlen die Anrede zu Beginn des Textes und die Adresse auf der Rückseite. In Verbindung mit dem recht persönlichen Ton des Schreibens deuten sie ferner ein enges Verhältnis zwischen Absender und Adressat an. Vielleicht waren die beiden sogar verwandt. Die Glaubensversicherung, die den Abschluss des Briefes bildet, lässt zumindest darauf schließen. Generell ist der Brief einem christlichen Kontext zuzuordnen, was an dem Christogramm sichtbar wird, mit dem das Schreiben beginnt. Inhaltlich geht es bei den Aufträgen jedoch hauptsächlich um eine geschäftliche Beziehung.

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