Bedeutende Stücke der Berliner Papyrussammlung

Die Berliner Sammlung verfügt über eine Vielzahl an historisch und philologisch bedeutsamen Texten, die zum Teil auch eine über fachwissenschaftliche Kreise hinausgehende Berühmtheit erlangt haben.

Die Perser des Timotheos von Milet (P.9875)
Die weltweit älteste erhaltene Buchrolle (4. Jh. v.Chr.) in griechischer Sprache enthält Teile des Werks “Die Perser” des Timotheos von Milet. Erhalten sind unter anderem eine Beschreibung der Schlacht von Salamis (480 v.Chr.) sowie eine Rede des persischen Großkönigs Xerxes.

Der Ehevertrag P.Eleph. 1 (P.13500)
Dieser nach griechischen Rechtsvorschriften geschlossene Ehevertrag zwischen Herakleides und Demetria aus Kos ist der älteste datierte Text in griechischer Sprache auf Papyrus. Er stammt aus dem Jahr 310 v.Chr. bzw. dem sechsten Regierungsjahr des Alexander IV. Aigos, dem Sohn Alexanders der Großen mit Roxane, respektive dem 14. Jahr des Diadochen Ptolemaios I. Soter. Er wurde in Form einer Doppelurkunde verfasst und von sechs Zeugen bestätigt.

Die “Trinklieder” aus Elephantine (P.13270)
Abschrift eines Liedbuchs aus dem frühen 3. Jh. v.Chr., das wohl bei Symposien Verwendung fand.

Menander, Der Kitharaspieler (?) (P.9767)
Die in der Antike viel gelesenen Komödien des Menander (342/41 – 291/90 v.Chr.) sind fast ausschließlich nur auf ägyptischen Papyri überliefert. Stellvertretend für die über 15 Textfragmente der Berliner Sammlung kann der aus dem 2. – 1. Jh. v.Chr. stammende Papyrus P.9767 angeführt werden, der vermutlich die Komödie Kitharistes (“Der Kitharaspieler”) enthält.

Königlicher Erlass der Kleopatra VII. Philopator (P.25239)
Der an ihren Sohn Ptolemaios Caesar (Kaisarion) adressierte Erlass gewährt einem römischen Geschäftsmann Handels- und Steuerprivilegien. Berühmt wurde der Text, da einige Historiker den erhaltenen Eingangsvermerk als von Kleopatra selbst stammend interpretieren.

Reden des Kaisers Claudius (P. 8507 R)
Die Papyrusrolle enthält Abschriften von zwei Reden des Kaisers Claudius, welche dieser während seiner Regierungszeit (41 – 54 n.Chr.) vor dem Senat in Rom gehalten hat. Die Reden behandeln die Herabsetzung des Mindestalters für Richter und die Abwehr von Verschleppungsmanövern von Anklägern.

Der Gnomon des Idios Logos (P.11650 V)
Diese aus dem 2. Jh. n.Chr. stammende Rolle enthält Auszüge aus einem Verwaltungshandbuch für einen hochrangigen Beamten, den Idios Logos. Die 121 erhaltenen Paragraphen betreffen vor allem Steuer-, Recht- und Kultangelegenheiten. Der Gnomon erlaubt einen tiefgehenden Einblick in die Verwaltungspraxis des römischen Ägypten.

Wachstafel-Kodex mit scholia minora zu Homer (P.10508 ff.)
Auf mehreren Wachstafeln aus dem 2. Jh. n.Chr. sind scholia minora zum 11., 13., 14. und 15. Gesang der Ilias des Homer sowie grammatikalische Abhandlungen erhalten.

Cicero, Pro Cn. Plancio (P.13229 A + B)
Aus dem 5. Jh. n.Chr. haben sich auf Pergament Teile einer Gerichtsrede erhalten, die M. Tullius Cicero (106 – 43 v.Chr.) im Jahre 54 v.Chr. zur Verteidigung von Cn. Plancius gehalten hat, als dieser im Zuge der Wahlen zur Ädilität von seinen politischen Gegnern der Bestechung bzw. Amtserschleichung (ambitus) angeklagt worden war.