15935

P. 25673

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Tierkreis

P.Kramer 17 R (P. 13102 R)

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Horoskope. Bis in unsere moderne Zeit werden sie von Menschen konsultiert, um das eigene Schicksal gedeutet zu bekommen oder Vorhersagen über kommende Ereignisse zu erfahren. Die Zeitlosigkeit solcher Fragen für die Menschen wird durch die jahrtausendealten Überlieferungen von Horoskopen deutlich. Der hier vorgestellte Tierkreis mit Planetenstellung bildete die Grundlage, um ein Horoskop zu erstellen.

Der Papyrus stammt aus Mumienkartonage, zu der der Papyrus später verarbeitet wurde. Sie wurde 1907 von Otto Rubensohn bei Abusir el-Melek, auf der Westseite des Nils etwa 120 Kilometer südlich von Kairo gefunden. Der Tierkreis wurde über eine ältere Weizenrechnung aus ptolemäischer Zeit geschrieben, welche auf das 2.–1. Jh. v. Chr. zu datieren ist. Zwei verblasste oder entfernte Zeilen dieser Rechnung sind in der Mitte des Kreises noch deutlich zu erkennen. Unterhalb des Kreises sind weitere Spuren abgeriebener Tinte über sieben Zeilen hinweg auszumachen. Auf dem Verso (der Rückseite) des Papyrus ist eine Rechnung, vermutlich für Heuladungen, erhalten, welche wohl etwas jünger als die Weizenrechnung auf dem Rekto (der Vorderseite) ist. Diese war vermutlich beim Entstehen des Tierkreises bereits vorhanden. Die Wiederverwendung eines bereits beschriebenen Papyrus für die Erstellung eines Horoskops wie in diesem Fall stellt keine Besonderheit dar. Sie ist auch bei anderen Horoskopen der Berliner Papyrussammlung zu beobachten.

Seit hellenistischer Zeit gehören Tierkreisdarstellungen zu beliebten Motiven der antiken Kunst. Diese wurden beispielsweise in Mosaiken, Plastiken, Himmelsgloben und Flachdarstellungen bildlich festgehalten. Trotz der verbreiteten Thematik sind bis heute kaum Darstellungen von Tierkreisen auf Papyrus überliefert. Meist handelt es sich dann um Kreiszeichnungen mit schriftlichen Angaben der Sternzeichen.

Der Berliner Tierkreis wird in den Zeitraum zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 1. Jh. n. Chr. datiert. Auf dem erhaltenen Fragment ist die rechte Seite eines Tierkreises mit den Namen der Sternzeichen im Rand und weiteren Anmerkungen außerhalb des Kreises zu sehen. In der Mitte des Kreises ist ein nach rechts laufendes Tier abgebildet, dessen Identifizierung allerdings unklar ist. Für eine Darstellung des Zodiakos Helios mit der Sonnenquadriga, wie sie des Öfteren innerhalb von Tierkreisen zu finden ist, nimmt der Vorderteil des Tieres bereits zu viel Platz ein, der zudem eher an einen Hund oder Löwen als an ein Pferd erinnert.

Die Reihe der Sternzeichen fängt oben in der Mitte wie häufig in antiken Tierkreisen mit dem Sternbild des Frühlingsanfangs, dem Widder, an. Anschließend folgt der Rest der Sternzeichen der Reihenfolge nach. Die Anmerkungen außerhalb des rechten oberen Randes des Tierkreises sind die Namen der Planeten Mars, Jupiter und Merkur. Die Positionsangaben der Planeten sind denen in anderen antiken Darstellungen von Tierkreisen ähnlich, was den Zweck des Tierkreises vermuten lässt. Dieser diente vermutlich dazu die Sternenkonstellation zu einem bestimmten Zeitpunkt festzuhalten, um ein Horoskop erstellen zu können. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass auch andere Planeten wie Venus und Saturn sowie Sonne und Mond auf dem Tierkreis vermerkt waren.

Wie die Botschaft des Horoskops für die Person, welche es erstellen ließ, lautete, ob sie nützlich war oder gar Antworten auf tief in uns Menschen sitzende Fragen offenbarte, werden wir nie erfahren. Denn obwohl der Nutzen der Horoskope astrologischer Natur war, war ihre Form rein astronomisch – die astrologische Deutung, das Horoskop, wurde nicht schriftlich festgehalten.

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Torzollquittung

SB XII 10907 (P. 13308)

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Für die Ausfuhr und Einfuhr von Waren zusätzliche Abgaben zu bezahlen war zu keiner Zeit beliebt und ist es auch heute nicht. Doch handelt es sich bei den Zöllen neben den Steuern um wichtige Einnahmequellen des Staates. Einen kleinen Einblick in diesen Bereich gewährt uns eine auf Papyrus erhaltene Torzollquittung der Berliner Papyrussammlung.

Der Papyrus wurde während der Ausgrabungen von Friedrich Zucker in Dime im Winter 1909/1910 entdeckt und kam kurz darauf in die Berliner Papyrussammlung. Dime liegt in der Faijum-Oase in der Nähe des Qarun-Sees und ist Fundort vieler demotischer und griechischer Papyri. In der griechisch-römischen Antike war der Ort unter dem Soknopaiu Nesos bekannt. Das bedeutet „Insel des (Gottes) Soknopaios“. Soknopaios war der Hauptgott dieses Ortes. Zum ersten Mal erwähnt wird der Ort 240 v.Chr. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass der Ort auch schon davor existierte. Seine Blütezeit war im 1. und 2. Jh. n. Chr. Seit Beginn des 20. Jh. finden dort regelmäßig Ausgrabungen statt, seit 2001 läuft dort das Soknopaiu-Nesos-Projekt der Universität Salento (Lecce) in Italien.

Auf dem Papyrus haben sich der vollständige Text einer Torzollquittung für die Ausfuhr von Öl und der Rest einer Untersiegelung erhalten. Die Rückseite ist nicht beschriftet worden. In den sieben Zeilen des Textes folgen einem auch aus anderen Torzollquittungen bekannten festen Formular: zunächst wird der Ort der Zollstation genannt, an dem bezahlt wurde. Es handelt sich um Soknopaiu Nesos, wo der Papyrus knapp 2000 Jahre später auch gefunden wurde. Es folgt die Art des Zolls, der zu zahlen ist: der sogenannte 1/100 Zoll, bei dem 1% des Wertes der ausgeführten Waren zu entrichten war. Interessant ist, dass in diesem Dokument nicht gesagt wird, wie viel das genau ist. Danach wird der Name des Zahler genannt. Er heißt Papeis. Wie bei den meisten Personen, die in den Quittungen dieser Zeit genannt werden, ist auch von ihm leider nichts weiter bekannt. Danach wird angegeben, ob es sich um einen Import oder Export von Waren handelt. In Fall dieses Textes werden Waren exportiert, deren Art und Menge nun genauer benannt werden: es handelt sich um 1,5 Metretes Öl, die mit einem Esel transportiert werden. Die Maßeinheit Metretes wurde in der Antike für Flüssigkeiten benutzt. Die hier angegeben Menge entspricht knapp 60 Litern. Den Abschluss des Dokuments bildet die Datierung nach dem Regierungsjahr des herrschenden Kaisers. Sie entspricht in unserem heute verwendeten Datierungssystem dem 9. Dezember des Jahres 120 nach Christus.

Interessant an dieser Quittung ist auch der gut erhaltene Rest des Siegels. Das Siegel besteht aus dunklem Nilschlamm und ist nur noch unvollständig erhalten. Auf dem Siegel ist ein Kopf von der Seite zu sehen, der nach rechts gewendet ist. Am Hinterkopf ist deutlich ein Band seines Kranzes zu sehen, was auf einen Kaiser hindeutet, und vorne ein Teil seiner Nase. Bei der dargestellten Person handelt es sich um den römischen Kaiser Hadrian, der auch in der Datierungsformel des Textes genannt wird. Er regierte das Römische Reich zwischen 117 und 138 nach Christus. Links neben dem Kopf sind einige griechische Buchstaben zu erkennen, die sich zu dem griechischen Wort für „Jahr“ ergänzen lassen. Auf dem Siegel war also auch das Regierungsjahr angegeben worden, was auch im Text genannt wird. In der Berliner Papyrussammlung existiert eine zweite Torzollquittung von demselben Tag über die doppelte Menge Öl, die von einem Demas ausgeführt wurde. Auf der dort angebrachten Untersiegelung ist nichts mehr zu erkennen. Sie muss aber identisch mit dem Siegel auf diesem Text gewesen sein.

Dieser kleine und sehr unscheinbare Text mag allein nicht besonders interessant sein, auch wenn er schon zeigt, dass für die Ausfuhr von Waren aus dem Faijum ein Zoll zu zahlen war. Zusammen mit mehreren hundert weiteren Torzollquittungen, die in Soknopaiu Nesos gefunden wurden und aus der Zeit vom ersten bis zum Beginn des dritten Jahrhundert nach Christus stammen, ergibt sich aber ein Bild dieses Ortes als wichtigen Durchgangsort für Karawanen, die Waren aus dem Faijum durch die Wüste in die Oasen im Westen und sogar Alexandria und zurück transportierten. Außerdem war Öl offenbar ein wichtiges Exportgut des Faijum.

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Quittung eines Dolmetschers

UPZ II 227 (P. 1382)

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Quittungen wirken auf den ersten Blick monoton und sehen eher unbedeutend aus. Doch sie eröffnen uns einen wichtigen Einblick in den Lebensalltag vergangener Zeiten und führen nicht selten zu komplexen und soziokulturellen Fragen. Solch einen Fall stellt auch der hier vorzustellende Text dar.

Dieser einseitig beschriebene Papyrus enthält eine Quittung aus Theben in Oberägypten, die aufgrund der Datumsangabe in der letzten Zeile auf den 18. August 134 v. Chr. datiert ist. Der Papyrus gehörte ursprünglich zur Sammlung des griechischen Kaufmannes und Antikenhändlers Giovanni Anastasi und wurde 1857 in Paris von Richard Lepsius, damals Vizedirektor des Ägyptischen Museums in Berlin, angekauft.

In dem Text bestätigt ein Apollonios, dass er zwei Kupfertalente von einem Diogenes bekommen hat, der Beamter der königlichen Bank in Theben ist. Das klingt zunächst recht unspektakulär. Doch lässt schon die Auszahlung des Geldes durch einen Bankbeamten vermuten, dass es sich hier um eine offizielle Angelegenheit handeln könnte, auch wenn diese nicht explizit genannt wird. Einen Hinweis könnte aber die Berufsbezeichnung des Apollonios geben, die seinem Namen beigefügt wurde. Er ist nämlich der Dolmetscher der Trogodyten.

Über die Trogodyten geben uns die lateinischen und griechischen Quellen nur vage und sogar widersprüchliche Informationen. Da es sich um eine nomadische Bevölkerung handelt, es ist schwierig, sie geografisch genau zu verorten. In der Ptolemäischen Zeit kann ihr Gebiet allgemein in der arabischen Wüste an der Westküste des Roten Meers lokalisiert werden, insbesondere auch in dem Gebiet zwischen Ägypten und Äthiopien. Im Fall unseres Textes kann man wohl davon ausgehen, dass der Text sich auf die Trogodyten im Süden von Ägypten bezieht, da Apollonios sein Gehalt von der königlichen Bank im oberägyptischen Theben bezogen hat. Mit den Trogodyten hatten die Ptolemäer intensive Handelsbeziehungen, die wichtig für das Wirtschaftssystem des Landes waren. Sie ermöglichten die Einfuhr von Gewürzen und wertvollen Waren aus Arabien und Indien.

Für diese Trogodyten fungiert Apollonios nun als Dolmetscher. Da in dieser Quittung keine weitere Begründung für die Geldzahlung angegeben wurde, kann man wohl folgern, dass seine Tätigkeit als Dolmetscher für die Trogodyten der Grund für die Auszahlung der zwei Talente ist. Außerdem kann man annehmen, dass er für die Tätigkeit vom Staat angestellt war, da er direkt von der königlichen Bank bezahlt wurde.

Doch der Text enthält noch weitere interessante Informationen. Im zweiten Teil erklärt ein Ptolemaios, dass er die Quittung auf Bitten des Apollonios geschrieben hat, weil dieser nicht schreiben kann. Ähnliche Formulierungen finden sich recht häufig in den Texten aus dem griechisch-römischen und byzantinischen Ägypten. Doch hätte man sie bei einem Dolmetscher vielleicht nicht erwartet. Unklar bleibt nämlich, ob es sich bei Apollonios um einen Griechen, der die Sprache der Trogodyten beherrscht, oder um einen Trogodyten, der auch Griechisch spricht, oder eine Person anderer Abstammung handelt. Sein griechischer Name war auch unter Nichtgriechen zu verbreitet und beliebt, um weitere Schlussfolgerungen zu ermöglichen.

Immerhin erfahren wir aber noch etwas über den Kontext dieser Quittung. Ptolemaios, der für Apollonios geschrieben hat, bezeichnet sich selbst als Kommandant auswärtiger Truppenteile. In diesem militärischer Kontext ist dann auch Apollonios zu verorten, der vielleicht als Dolmetscher an einer Fahrt ins Land der Trogodyten teilgenommen hat.

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Gestellungsbürgschaft

BGU I 255 (P. 7027)

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„Ich bürge für ihn!“ ist eine Aussage, die nicht nur heute, sondern auch in der Antike mit einem aufwendigen Rechtsverfahren verknüpft ist. Hierbei handelt es sich um ein vertraglich gesichertes Zusammenspiel von Schuldner, Gläubiger und Bürgen in jeder erdenklichen Lebenslage.

Dieser, in kunstvollen Kursiven der byzantinischen Zeit verfasste Papyrus wurde vermutlich im Faijûm, einer großen Oase südlich von Kairo gefunden. Obgleich man den Fundort nicht eindeutig bestimmen kann, ist der Ausstellungsort der Urkunde mit Memphis in der zweiten Zeile eindeutig belegt. 1892 kam er aus der Sammlung des Daninos in die Berliner Papyrussammlung. Das Stück ist nur einseitig auf der Vorderseite, dem Rekto, mit 9 Zeilen beschrieben. Die Rückseite, das Verso, ist unbeschriftet. Die linke Seite ist stark beschädigt, wodurch die Zeilenanfänge große Lücken im Text aufweisen. Auf der rechten Seite ist eine lückenlose Überlieferung gewährleistet.

Es handelt sich bei dieser unvollständigen Urkunde um eine Gestellungsbürgschaft in Form eines Briefes. Das Ausstellungsdatum nimmt zwei Zeilen ein und ist in seiner Ausführlichkeit für die damaligen Verhältnisse nicht ungewöhnlich. Umgerechnet ergibt sich der 15. Mai 599 n. Chr. und fällt somit in die Regentschaft des oströmischen Kaisers Maurikios, dessen Regierungszeit durch Kriege auf dem Balkan geprägt war. Beim Ausstellungsort handelt es sich um die Stadt Memphis, die zu diesem Zeitpunkt ihre ruhmreichen Tage schon seit Jahrhunderten hinter sich gelassen hatte, sich aber immer noch als Handelsstadt behauptete.

Die drei Aussteller, ein Schuster mit dem Namen Aurelios Ioannes, der Matrose Menas und ein Obstgärtner unbekannten Namens verbürgen sich für einen Mann namens Aurelios. Dieser soll auf unbestimmte Zeit Freigang aus dem öffentlichen Gefängnis erhalten, muss allerdings am Wohnort verbleiben, den Anweisungen des Adressaten Folge leisten und kann auf Bestellung wieder in das Gefängnis eingezogen werden. Der Name des Empfängers ist aufgrund einer Lücke im Text nicht mehr erkennbar, doch handelt es sich bei diesem um den Sohn eines Kommandeurs und steht wahrscheinlich stellvertretend für eine Behörde.

Spekulationsspielraum bietet die Vereinbarung im Fall der Nichtbestellung. Eine Bürgschaft von mehreren Personen übernehmen zu lassen, war in der Antike nichts Ungewöhnliches und ist immer wieder auch in anderen Papyri belegt. Allerdings ist es hier besonders wichtig, die Regelungen in Bezug auf eine mögliche Kautionssumme genauestens festzuhalten. Aufgrund dieser Notwendigkeit und der erkennbaren Wörter in der letzten Zeile befanden sich diese Informationen im verlorenen Teil des Textes. Da wir zudem noch die eigentliche Ursache für den Aufenthalt im öffentlichen Gefängnis oder Schuldturm nicht kennen, ist eine Klassifizierung in Straf- oder Zivilverfahren nicht möglich.

Besonders spannend machen diesen Papyrus die Variationen an Lesungsmöglichkeiten. Der größte Unterschied findet sich in der Frage nach der Anzahl der Schuldner. Während sich die Forschung in Richtung eines Schuldners bewegt, steht auch die Möglichkeit von zweien im Raum. Bei dieser Lesungsart sticht allerdings ins Auge, dass die Schuldner mit weniger und anderen Attributen versehen wären als die Bürgen und der Adressat. Vergleicht man die Stellung der Attribute letzterer, ergibt sich folgendes Muster: Name, Beruf, Name des Vaters, Wohnort. Bei den beiden Schuldnern wären die Berufe weggelassen, der Name des Vaters nur einmal angegeben, aber dafür die Spitznamen notiert worden. Geht man von derselben Stellung der Attribute aller Beteiligten aus, denn kann es sich nur im eine Person handelt, die allerdings ausführlicher als der Rest erfasst ist. Aurelios, genannt Apakouthios, Beruf durch Lücke im Text unkenntlich, Vater Menas, Spitzname Koukkouma, Wohnort Memphis.

Trotz der vielen Lücken im Text vermittelt diese Gestellungsbürgschaft einen guten Einblick in das Rechtswesen des byzantinischen Ägyptens. Papyri mit Bürgschaften stellen zwar keine Einzelfälle dar, liefern aber eine besondere Sichtweise auf das Leben in der jeweiligen Zeit.

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Pachtvertrag über Ackerland

P.Berl.Frisk 5 = SB V 7519 (P. 13921)

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Auch in der Antike wurden Geschäfte gemacht. Auf Papyri, Pergamenten und Ostraka haben sich unzählige Texte erhalten, die die Geschäftstüchtigkeit der Menschen zur damaligen Zeit zeigen und Einblicke in diese Aspekte des Lebens gewähren. Nicht sehr häufig sind dagegen Geschäfte belegt, die von Frauen abgewickelt wurden. Doch werden von einer gewissen Aurelia Kyra aus Hermupolis in Mittelägypten in der Berliner Papyrussammlung einige Geschäftsunterlagen aufbewahrt. Ein markantes Beispiel eines solchen Dokuments ist der hier präsentierte, fragmentarisch auf Papyrus erhaltene Pachtvertrag vom 14. Mai 510 n.Chr.

In diesem Vertrag regeln Aurelia Kyra, die auch Eusturgia genannt wird und in der Gauhauptstadt Hermupolis in Mittelägypten lebt, und Aurelius David, ein Landwirt aus dem nahegelegenen Dorf Pselamynthis, die Einzelheiten der Pacht von Ackerland. Dabei wird zunächst das gepachtete Landstück genauer beschrieben. Es handelt sich um 7 Aruren (knapp 2 ha) unbewässerten Ackerlands im Gebiet des Dorfes Pselamynthis, das der Pächter nutzen kann. Die Feldfrucht wählt er selbst aus. Sie wird allerdings in diesem Vertrag nicht explizit genannt. Da der Pachtzins jedoch jährlich 30 Artaben Weizen und 6 Artaben Gerste beträgt, ist anzunehmen, dass dieses Getreide auch angebaut werden sollte.

Interessant ist jedoch ein Detail über dieses verpachtete Ackerland. Das Land gehörte nicht der Verpächterin. Es wurde ihr von einer Archontia aus Hermupolis verpfändet. Es ist anzunehmen, dass dieses Ackerland möglichweise die Sicherheit für ein Darlehen darstellte, wie wir es auch aus vergleichbaren Texten kennen. Immerhin hat das auch Auswirkungen auf den Pächter Aurelius David. Der Pachtvertrag mit ihm gilt für die Dauer dieses Geschäfts zwischen Aurelia Kyra und Archontia.

Am Ende des Dokuments bestätigt der Pächter diesen Vertrag. Allerdings kann er offenbar nicht schreiben, so dass von dem Schreiber Aurelius Theon explizit vermerkt wird, dass er für den schreibunkundigen Pächter unterschrieben hat. Es folgen 3 Zeugenunterschriften, die die Richtigkeit des Vertrags bestätigen, und die Unterschrift des ausfertigenden Notars.

Insgesamt zeigt dieser Pachtvertrag sehr deutlich, wie geschäftstüchtig Aurelia Kyra war. Offenbar besaß sie Geld, das sie als Darlehen an Archontia gab. Mit dem Ackerland, das sie als Sicherheit für das Darlehen bekommen hatte, wirtschaftet sie weiter, indem sie es an Aurelius David verpachtet und von ihm einen jährlichen Pachtzins bekommt. Solche Geschäfte scheinen für Aurelia Kyra jedoch kein Einzelfall gewesen zu sein. In 5 weiteren Pachtverträgen der Berliner Papyrussammlung tritt sie über einen Zeitraum von etwa 45 Jahren auf. Wir können also annehmen, dass Aurelia Kyra sehr regelmäßig als Geschäftsfrau tätig war.

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Ciceros Verteidigung von Plancius

P. 13229 A+B

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Ciceros Reden sind weltbekannt, doch nur die wenigsten sind mit Originalkopien vertraut – und fast niemand weiß, dass auch spätantike, ägyptische Abschriften seiner Texte existieren. Was sich hinter diesen eigenartigen und äußerst seltenen Fragmenten verbirgt, verrät der folgende Text.

Um die Gefahr, die vom Volkstribun P. Clodius Pulcher ausging, die öffentliche Ächtung und eine gerichtliche Verbannung aus seiner Heimat zu verhindern, verließ Cicero Rom im Jahre 58 v. Chr. und ließ sich in Thessaloniki nieder. Dort stand er unter dem Schutze des Quästors Cn. Plancius. Nachdem Plancius 55 v. Chr. zum kurulischen Ädil gewählt worden war, wurde er von M. Juventius Laternis – der die Wahl verloren hatte und seine Niederlage nicht verkraftete – angeklagt, Wahlbetrug und Amtserschleichung begangen zu haben. Als Dank für den Schutz, den Cicero von Plancius erhalten hatte, verteidigte er seinen engen Freund vor Gericht erfolgreich.

Die vorliegenden Pergamente, die in lateinischer Sprache verfasst sind, offenbaren zwei Kapitel der Rede des Cicero. Das elfte Kapitel (A, Seite 1 und 2) wird von Cicero genutzt um Plancius Werdegang, seine militärischen und politischen Stationen zu beschreiben, welche vortrefflichen Eigenschaften sein Mandat in seiner Karriere erlangt hat und, dass auch die Gesamtheit seiner Mitmenschen ihn respektiert und bewundert. Diese Zeilen stellen den Ädil außerordentlich positiv konnotiert dar. Das neunzehnte Kapitel (B, Seite 1 und 2) handelt von den Erfahrungen des Plancius und seiner Wirkung auf andere Bürger als leitende Person in der Gemeinschaft. Cicero resümiert, dass die erfolgreiche Wahl des Plancius nicht verwunderlich sei, da er bei seinen Landsleuten beliebt war.

Der klassische Archäologe und Lehrer Otto Rubensohn, der als Finder der aramäischen Elephantine-Papyri bekannt wurde, entdeckte vorliegende Pergamente bei einer Ausgrabung, die er im Auftrag des deutschen Papyruskartells durchführte, in Eschmunen, dem antiken Hermupolis, im Jahr 1905.

Die literarischen Fragmente stammen aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. und wurden von einem unbekannten Schreiber, dem eine gute Überlieferung des Originalwerkes vorlag, kopiert. Beide Pergamente sind beidseitig und mit Tinte beschriebene Codexblätter, die ein quadratisches Format von ca. fünfzehn mal fünfzehn Zentimetern haben und einen quadratischen Schriftspiegel aufweisen. Die vorliegende Kopie der Rede „Pro Plancio“ ist relativ gut erhalten. Fragment A fällt durch einen größeren fehlenden Teil in der Mitte des Pergamentblattes und mittelgroße Risse an den Rändern auf. Der Inhalt konnte deswegen nur durch andere verbliebene Abschriften der Rede rekonstruiert werden. Das Fragment B hingegen weist nur einzelne Bruchstellen sowie kleinere Löcher an textfreien Stellen auf.

Diese Kopien wurden höchstwahrscheinlich zu didaktischen Zwecken eingesetzt, da auch schon im spätantiken Ägypten Ciceros Rede als Beispiel römischer Hochkultur und exzellenter Rhetorik verwendet wurden.

Dadurch, dass die Reden des Cicero seit Jahrhunderten als Unterrichtsmaterial an humanistischen Gymnasien eingesetzt werden und deshalb noch immer Aktualität besitzen, lohnt ein Besuch in die ständige Ausstellung des Neuen Museums, wo auch diese Pergamente besichtigt werden können.

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16883

P. 13081 V

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16106

P. 13055 R

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Gewerbeschein

SB VI 9545 Nr. 33 (P. 12065)

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Alles wird kontrolliert! Für fast jede Tätigkeit benötigt man eine Genehmigung oder muss eine Abgabe zahlen. So ist es auch im Fall des hier vorgestellten Gewerbescheins, der auf einer wiederverwendeten Keramikscherbe geschrieben wurde. Dieses rötliche Ostrakon, wie beschriftete Keramikscherben heißen, wurde bei der Grabung von Otto Rubensohn in Elephantine in Oberägypten im Winter 1906/07 gefunden und kam kurz darauf in die Berliner Papyrussammlung.

Bei diesem Ostrakon handelt es sich um ein selten erhaltenes Exemplar eines Gewerbescheins für eine Hetäre, der erlaubt wird, ihrem Gewerbe an einem Tag nachzugehen. Dieser Tag wird zwei Mal im Text genannt und lässt sich in unser heutiges Datierungssystem umrechnen. Es handelt sich um den 23. September des Jahres 142 n.Chr. Die doppelte Nennung des Tagesdatums zeigt an, dass die Erlaubnis genau an dem Tag ausgestellt wurde, an dem sie auch gültig war. Das ist auch für die anderen erhaltenen Gewerbescheine für Hetären charakteristisch. Vergleichbar ist ein solcher Gewerbeschein also mit einer Arbeitserlaubnis für einen bestimmten Tag.

Für eine solche Gewerbeerlaubnis musste sicherlich auch eine Gebühr gezahlt werden. Das kann zwar zunächst nur vermutet werden, weil der vorliegende Text eigentlich keine Quittung für die Zahlung einer solchen Gebühr ist und zudem auch keinen Geldbetrag nennt. Doch bietet der Text genügend Anhaltspunkte, aus denen man eine solche Zahlung erschließen kann. Am Beginn dieses kurzen Textes erfahren wir, für wen dieser Gewerbeschein gilt und wer diese Genehmigung erteilt hat. Ausgestellt wurde die Erlaubnis für eine Frau mit dem sehr seltenen Namen Thinmareine. Leider erfahren wir keine weiteren Details über diese Person außer das Gewerbe, für das sie in diesem Text eine eintägige Erlaubnis bekommt. Genehmigt wird das Gewerbe durch Ammonios und seine Kollegen, die in diesem Text als Pächter der Prostitutionssteuer bezeichnet werden. Schon in der Ptolemäerzeit wurden viele Steuern und Abgaben, über die der Staat seine Einnahmen erlangte, an Personen verpachtet, die anstelle des Staates nun das Recht hatten, diese Steuern einzuziehen und sie schließlich an den Staat weiterzugeben. In der römischen Zeit, aus der auch dieser Text stammt, nimmt die Verpachtung von Steuern ab. In unserem Text ist nun mit Beschreibung der Aussteller dieses Gewerbescheins als Pächter der Prostitutionssteuer ein Hinweis gegeben, dass Thinmareine vermutlich eine Gebühr bezahlt hat, um diese Genehmigung zu bekommen, die indirekt auch als Quittung gegolten haben dürfte. In der letzten Zeile des Textes wird die Erlaubnis noch einmal von einer anderen Person bestätigt. Ein Brasidios Valens, dessen Name allerdings nicht sicher gelesen werden kann, schreibt hier offenbar eigenhändig, da sich die Schrift dieser Zeile deutlich von den anderen Zeilen unterscheidet.

Über den Kontext dieses und vergleichbarer Gewerbescheine für Hetären ist viel spekuliert worden. Aufgrund der Genehmigung, das Gewerbe nur an einem einzigen Tag ausüben zu dürfen, kann man vermuten, dass sie möglicherweise im Kontext von Festlichkeiten erteilt wurden. Doch lassen die angegeben Tage noch keine eindeutige Zuweisung zu.

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